Mittwoch, 12. Oktober 2016

Paul McCarthy

Im Rahmen des Bachelorseminars "Messed up? Die Mechanismen des Kunstbetriebs" der Universität St.Gallen haben sich fünf Studierende mit den Werken von Paul McCarthy in der Lokremise beschäftigt. Nach einem Rundgang im gemeinsamen Gespräch haben sich die Studierenden  jeweils eine Arbeit des Künstlers ausgesucht und einer genaueren Betrachtung unterzogen. Ein in der Ausstellung entstandener Schnappschuss zeigt jeweils einen speziell gewählten Blickwinkel auf das Werk. Der nachfolgende Text beinhaltet eigene Überlegungen, Meinungen und Interpretationen der Studierenden zum jeweiligen Werk.


White Snow Dwarf (Bashful), 2010




In den Händen von McCarthy wurde Pimpel, der kleine Zwerg von Schneewittchen, in einen rosaroten Gartenzwerg mit einer rauen und unebenen Silikonoberfläche transformiert. Neben seinen Füssen findet man die bekannte Sextoys, die immer wieder in verschiedene Oeuvre von McCarthy auftauchen. Die gewählten Formen und die sehr kitschige Farbe lassen das glatte Fleisch des Zwergs noch mehr auffallen und charakterisieren die künstliche Seite von Disney. Bei der Ausstellung ist diese künstliche Seite weiterhin betont, da die Zwerge von anderen Skulpturen, welche eine „pornographische Interpretation“ des Cartoons anbieten, eingekreist sind. Diese Schuhe sind ein perfektes Beispiel, um diese gefälschte Welt und Paradies, die durch Disney repräsentiert werden, zu zeigen. (Giulia C.)


White Snow Dwarf (Sneezy), 2010




Besichtigt man die Ausstellung von Paul McCarthy, begegnet man Werken, welche alle Aufmerksamkeit erregen und schockieren. Eines darunter auszuwählen, welches mir persönlich besonders ins Auge stach war eine dementsprechend schwierige Aufgabe. Meine Wahl fiel auf seinen weissen Zwerg. Dieser spiegelt für mich im Besonderen die Diskrepanz zwischen etwas Unschuldigem und etwas geradezu Verstörendem ab. In der Menge der neun Zwerge McCarthys sticht er mit seiner „Farblosigkeit“ heraus. Weiss steht für Unschuld und Reinheit, der Zwerg selbst stammt aus einem, eigentlich, von Disney verharmlosten Kindermärchen. Tritt man jedoch näher heran und betrachtet die Skulptur genauer, erkennt man, wie sehr dieser Schein trügt.
Zerrüttet beschreibt das Aussehen der Skulptur wohl am ehesten. Eine Hand liegt deformiert am Boden, von der anderen existieren nur noch einzelne Elemente, welche wie Sehnenstränge aus dem Körper ragen. Es erinnert an eine Klaue, welche nach vorne ins Leere greift und jeden Moment zupacken könnte. Auch das Gesicht, wenn man von einem solchen sprechen kann, wirkt befremdlich. Die Nase ist mit einer Socke bedeckt, das Gesicht sieht aus wie männliche Geschlechtsorgane. Der Blick des Zwerges ist verstörend, während ein Auge unter der Mütze versteckt ist, sieht das andere aus als sei es zerstochen worden. Die Lippen bilden eine „Oh“ Form – der Ausdruck von Lustempfinden? Auch die „Nase“ und die abgetrennte Hand erinnern an Symbole der Selbstbefriedigung.
McCarthy konfrontiert mit dieser Symbolik den Betrachter mit einem Tabuthema der Gesellschaft. Auch die explizite Sexualität dieses Werkes steht im Kontrast zu der Unschuld des Kindermärchens und der weissen Farbe.
Eine weitere Kritik die das Werk aufwirft, bezieht sich auf die zerrüttete Gesellschaft. Der Kopf des Zwerges ist zertrümmert, aus dem Hinterkopf ragen Kabel hervor. Es erinnert an den Menschen als eine immer funktionierende Maschine. Auch das grob wirkende Material, welches aussieht als würde es von der Figur abfallen deutet auf diese Zerrüttung hin. Auf dem Sockel der Figur lassen sich neben dem „abgefallenen“ Material auch Spachtel erkennen. Es kommt die Frage auf, ob damit versucht werden soll, eben dieses Material wieder an den Zwerg anzubringen. Oder stehen die Spachtel für etwas, was abgedeckt werden soll? Ein Teil des Sockels, welcher vorgibt aus Holz zu sein, scheint bereits verdeckt worden zu sein, was jedoch nur mässig gelingt.
Neben den Spachteln liegen noch weitere Arbeitsmaterialien auf dem Sockel. Es lassen sich ein Bleistift, Schaumgummiplatten und etwas wie Eisenstangen erkennen. Es wirkt, als sei das ganze Werk ein unfertiges Konstrukt. Das Thema des Scheins spiegelt sich gesamthaft wieder. Einerseits in den Unterschieden, was das Werk zu sein scheint und was es ist, andererseits im verwendeten Material selbst. Während es wie unterschiedliche Materialien wirkt (Holz, Metall, Textilien) besteht es lediglich aus Silikon. Es wirft erneut die Frage der Gesellschaft auf. Ist alles nur Schein? Die Spachtel verstärken diesen Effekt.
Die Skulptur wirkt aus keiner Perspektive normal und je länger man sie betrachtet, desto unwohler wird einem dabei. Wobei das Groteske gleichzeitig abschreckend wie faszinierend wirkt. (Jacqueline S.)


Dopwhite, WS, 2009




Dieses Bild verkörpert Ironie – die Ironie der Gesellschaft. Es löst in mir keinerlei Wertschätzung von Ästhetik aus. Doch muss Kunst ästhetisch sein, muss Kunst «schön» sein?
Wenn ich lese, wie sich ein Grossteil der Gesellschaft von McCarthys Werken provozieren lässt, die Bilder und Skulpturen als hässlich und pervers bezeichnen, zaubert mir dieser Zustand ein Schmunzeln auf die Lippen.
Zelebriert nicht die heutige Gesellschaft unbewusst, mit den gegenwärtigen Körperbildern und Idealen der Werbung, den Gipfel der Perversion? Aber wenn ein Künstler eine Vagina auf seinem Bild zeigt, schütteln alle unverständlich den Kopf.
Muss Kunst «schön» sein? Nein. Für mich muss Kunst bewegen, hinterfragen, polarisieren, wie dieses Bild. (Rafael H.)


Santa with Butt Plug (foam maquette), 2006




In der westlichen Kultur wird Santa Claus als Symbol für Fröhlichkeit und Familie betrachtet. In einer sehr rohen Art und Weise, zerstört Paul McCarthy dieses Komfortgefühl indem er den Weihnachtsmann mit einem Sextoy ausstattet. Dieses Sextoy entzieht ihm seine Unschuld. Dieses Thema kommt immer wieder in der Ausstellung vor und wird mithilfe von Horrorszenen illustriert. Paul McCarthy mag es die Leute zu zeigen, was die Gesellschaft missbilligt, wie beispielsweise kopflose Schweine oder eine nicht traditionelle Sexualität. (Samuel W.)


Dopwhite, WS, 2009




Als ich Dopwhite zum ersten Mal sah war ich total fasziniert. Die Größe, die Farben und die Komposition gefiel mir von Anfang an sehr gut. Nachdem ich das Werk aber genauer und von näher betrachtete und die einzelnen Details, die man von weitem nicht erkennen konnte sah,  veränderte sich meine Auffassung schlagartig. Im Zentrum des Bildes befindet sich ein Zeitschriftenauszug einer nacktem Frau, die ihre Beine auf gespreizt hat und sich an ihrer intimen Stelle berührt. Schon nur, dass er dieses Bild ins Zentrum seines Werkes gesetzt hat, verstört mich persönlich. Es ist zu vermuten, dass dieser Auszug aus einem pornografischen Magazin das Geschlechtsteil des Schneewittchen darstellen soll.
Meiner Meinung nach ist das interessante an dieser Zeichnung die Darstellung des Schneewittchens. Dadurch, dass er sie zweimal gezeichnet hat wirkt es auf mich als würde McCarthy ihr eine schizophrene Persönlichkeit verleihen. Auf der einen Seite hat sie immer noch das märchenhafte, liebe und unschuldige Gesicht, während sie auf der anderen Seite einen versauten, mit Drogen versehrten Eindruck erweckt. Somit spricht der Künstler viele Tabus und gesellschaftskritische Themen an.  Zum einen spielen die Sexualität und die Drogen eine wichtige Rolle zum anderen aber auch die Oberflächlichkeit und Falschheit unserer Gesellschaft. Diese Themen kommen in diesem Werk sehr schön zur Geltung. Schon nur, dass das Papier nicht in perfektem Zustand eingerahmt wurde und den Eindruck erwecken könnte, dass das Werk kaputt oder unvollständig sei, ist ein eigentliches No-Go in der Kunstbranche. Paul McCarthy verleiht seinen Werken eine Art Gleichgültigkeit und Arroganz, stellt sich über all den Regeln der Gesellschaft und lässt kein Thema unberührt.
Das Motiv des Schneewittchen wird hier nicht zum ersten Mal mit dem Drogenkonsum assoziiert. Schon im Jahr 2005 kam ein Schweizer Film namens Snow White heraus, der davon handelt, wie ein unschuldiges Mädchen sich in der falschen Typen verliebt und im Drogenrausch versinkt. Die Farbe Weiß und somit auch Snow White (Schneewittchen) wird mehrmals mit der Droge Kokain in Verbindung gebracht. McCarthy spielt mit diesem Leitgedanken. Schon nur der Titel Dopwhite spricht alles darauf hin.
Ich habe dieses Werk aus der beindruckenden Sammlung von Frau Hauser ausgewählt, weil es meiner Meinung nach den Künstler und seine Art und Weise am Besten zur Geltung bringt. Dieses Papier mit seiner unübersichtlichen, wirren Zeichnungen und der Collage, welche aus verschiedenen Verbrauchsmaterialien wie zum Beispiel einem Verpackungskleber, einem gebrauchten Pinsel oder einem benutzten Latex Handschuh besteht, verleihen dem Werk ein versautes, schmutziges und schockierendes Gefühl. Genau diese Stimmung will der Künstler mit seiner Kunst bei seinen Mitmenschen auslösen.
Sobald sich die Zuschauer hinterfragen, was er denn genau aussagen will, ist sein Job als Künstler getan und er kann sich seinen neuen Projekten widmen. In meinen Augen ist Paul McCarthy gleichzeitig ein Genie und ein Verrückter. Doch diese gehen auch oftmals Hand in Hand. Er spricht Themen an, die trotz ihres prägnanten Daseins in unserer Gesellschaft oft verstummen und nicht diskutiert werden.
Mit seiner Kunst hat er meines Erachtens diese Überbrückung erfolgreich gemeistert und hat nicht ohne Grund Millionen von Bewunderer Weltweit. (Sharon M.)

Dienstag, 10. Mai 2016

Simon Starling - Zum Brunnen

Fachmittelschülerinnen und -schüler der Kantonsschule am Brühl St.Gallen haben die Ausstellung in der Lokremise besucht und die dabei gewonnen Eindrücke und Überlegungen eine Woche später im Schulzimmer mittels unterschiedlicher Techniken visualisiert.



Tabernas Desert Run, 2004





Wie können wir den CO2-Ausstoss vermindern?
Diese Frage haben wir mit dem Kunstwerk Tabernas Desert Run von Simon Starling in einer Collage und einem Aquarellbild verbunden. Unsere ersten Eindrücke haben wir so festgehalten. Vor allem das Motiv des Antriebs spielt für uns eine grosse Rolle. Simon Starling hat mit seinem "Abfallprodukt" Wasser ein Aquarellbild gemalt. Auf die gleiche Weise haben wir dann die dazugehörige Statue gestaltet.


Le Jardin Suspendu, 1998







Project for a Floating Garden (After Little Sparta), 2011/15




Unsere Darstellung ist eine Verbildlichung des Textes „Project for floating Garden“ des Künstlers: Dabei sind die Elemente Radioaktivität, Tod, Selbstversorgung, U-Boot, Schottland und die Natur herausgehoben und in Verbindung zum Objekt gestellt.


Carbon (Hiroshima), 2010




Das Fahrrad, die Kettensäge und das Holz befinden sich in einer Dreiecksbeziehung. Als Fortbewegungsmittel wird das Fahrrad von dem Motor der Kettensäge angetrieben, die gleichzeitig für das Fällen des Baumes zuständig ist. Simon Starling zeigt in dieser spannenden Dreieckskonstellation die wechselseitige Beziehung vom Fahrrad, Motorsäge und dem Baum auf.

Dienstag, 6. Oktober 2015

MIX

Sieben Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Heerbrugg mit dem Schwerpunktfach Musik haben sich einen Nachmittag lang mit Phyllida Barlow beschäftigt und die Kunstwerke der Ausstellung mit Werken der Musik des 20. Jahrhunderts verglichen. Die spannenden Vergleiche, die bei dieser Disziplinen-übergreifenden Auseinandersetzung entstanden sind, haben wir in diesem Blog zusammengestellt.
Untitled: roughtubes & Anton Webern: Variationen für Klavier op. 27
untitled: roughtubes, 2012

Musikstück zum anhören: Anton Webern: Variationen für Klavier op. 27

Gemeinsamkeiten:
Beide Kunstwerke sind individuell, chaotisch und haben keine Struktur. Der Grad zwischen Kunst und irgendwelchen zusammengewürfelten Tönen oder Materialien ist ziemlich klein, weshalb sie auch oft kritisiert werden. Es wird Unvollständigkeit und eine Art Schrägheit übermittelt. Nicht unbedingt schön, doch interessant und faszinierend. Beide kann man aus verschiedenen Perspektiven sehen. Man kann um das Gebilde "roughtubes" gehen und seinen Sichtpunkt ändern, wie man das Musikstück als schräg bezeichnen kann oder als interessante Alternative zur "normalen Musik". Die Röhren der Skulptur weisen Ähnlichkeiten zur Achsenspiegelung der Noten des Liedes auf.

Unterschiede:
Während die op. 27 zackig gespielt wird, ist es im Sinn von Phyllida Barlow, dass man sich Zeit nimmt, wenn man ihre Kunstwerke betrachtet. Durch die pinken Farbfragmente wird das Gebilde auch verharmlost und strahlt eine gewisse Freundlichkeit aus, die in Weberns Stück nicht vorkommt.

Schlusswort:
Alles in Allem passen die Kunstwerke gut zusammen, da sie sich beide von der Masse abheben und viele Gemeinsamkeiten aufweisen.
(H. Hörtner)
Untitled: holed wall & Anton Webern: Variation für Klavier op. 27
untitled: holedwall, 2012


Wenn man dieses Stück anhört und gleichzeitig die Skulptur Holed Wall anschaut, ist das Erste was mir auffällt, dass beide sehr durcheinander sind. Doch mit längerem Betrachten und Hören bemerkt man eine leichte Struktur, Stellen die sich immer wieder wiederholen im Stück und an der Skulptur. Das Stück regt einen zum Gehen an und die Skulptur will auch, dass man sie von allen Seiten betrachtet, nicht nur aus einem Blickwinkel. Bei beidem gibt es Elemente die sofort herausstechen und zueinander passen. Diese erkennt man wenn man genauer hinhört beziehungsweise hinsieht.
Eine weitere Gemeinsamkeit für mich ist, dass das Kunstwerk sehr biomorph erscheint und wie eine Koralle oder ein Wasserwirbel aussieht. In dem Stück von Anton Webern wirbelt er mit den Tönen herum.
Anton Webern will mit seiner Musik die Poetik dahinter rüberbringen, das ist auch so bei diesem Kunstwerk. Denn jeder kann hinein interpretieren was er will, was manchmal fast wichtiger ist als das Kunstwerk selbst.

Ich finde auch, dass die rosa Farbe in der Skulptur das Ganze noch aufheitert und fröhlicher gestaltet. Solche Elemente gibt es auch in dieser Musik dazu.
Beide Sachen also, die Musik und das Kunstwerk dazu, sind sehr individuell und passen gut zueinander. 

(Ch. Beerli)
Untitled: brokenshelf 4 & John Adams: China Gates 

untitled: brokenshelf 4, 2011
Musikstück zum anhören: John Adams: China Gates


John Adams: China Gates
Untitled: brokenshelf
Gemeinsamkeiten
Unterschiede
-freudig
-ruhig
-unendlich
-offen (wie eine Türe)
-Chinesische Mauer

-nicht dicht, weist aber auch keine Lücken auf
-Notenbild sieht wie Latten aus

-gleichmässig & doch Zwischenstrukturen
-helle Farben / freundlich
-endlich (Holz hat ein Ende)
-sehr dicht
-wirkt zusammengebastelt
-Hauptmaterial: Holz
-Farbwahl, einfach gemischt, passt nicht so recht zusammen

-helle Farben = helle Töne
- beides 'Lückenlos'
-Freudige Farben/
  Freudige Musik
-'Strukturbild' gleich
-Farben wie auch Töne passen
  nicht so recht zusammen
-die Holzlatten sind begrenzt,
  haben ein Ende
-Musik ist eher fortlaufend

 (J. Gächter)
Untitled: stacked grids & Arnold Schönberg: 5 Orchesterstücke op. 16, III: Farben 

untitled: stacked grids, 2011


Nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Werk „untitled: stacked grids“ und Arnold Schönbergs 5 Orchesterstücke op. 16, III: Farben, habe ich nun Parallelen und auch Unterschiede gefunden. Ich finde, der Name des Stücks passt sehr gut zum Objekt, da dieses ebenfalls viele verschiedene Farben wie pink, schwarz, gelb und weiss enthält. Dies obwohl im Stück von Schönberg wohl andere Farben, nämlich Klangfarben gemeint sind.
Eine weitere Gemeinsamkeit sehe ich in den filigranen Veränderungen, die dann schlussendlich das Ganze so spannend machen. Beim Objekt handelt es sich dabei um die vielen kleinen „Farbkleckse“, im Stück sind es meiner Meinung nach die Akkorde, die sich schleichend und durch kleine Veränderungen wandeln.
Des Weiteren habe ich beobachtet, dass das Stück wie auch das Objekt keineswegs Ruhepole sind, sondern eher Unruhe stiften. Dies ist eigentlich erstaunlich, denn im Stück hört man ganz klar einen liegenden Bass. Da jedoch in den Oberstimmen viele Dissonanzen herrschen, fühlt man diese Unruhe. Im Objekt kommt diese Unruhe anhand der Bewegungslust, die ausgelöst wird beim Betrachten, zum Ausdruck.
Im Stück habe ich beobachtet, dass jeweils die nächste Bewegung beginnt, bevor die andere fertig ist. Dieses Hinübergleiten kann man auch in Objekt sehr gut beobachten, wobei mir eine Stelle jedoch auffiel. Es hat eine pinke Aussparung, die ich sehr interessant fand. Spontan fand ich sie störend, nicht zum Lied passend, doch mit der Zeit assoziierte ich sie mehr und mehr mit einem bestimmten Teil im Stück, nämlich dem kurzen Harfenteil.
Ich finde auch, dass die kleinen Farbkleckse aufgrund ihrer Häufigkeit eine hohe Dichte aufweisen, das Stück jedoch keine sehr dichte Stimmverteilung hat. Das ist für mich somit ein Unterschied.
Im Grossen und Ganzen könnte man meinen, wie ich anfangs auch dachte, die Musik wie auch das Objekt seien nicht sehr spannend. Doch musste ich meine Meinung „revidieren“ und finde nun, dass es extrem spannend, interessant und vor allem bereichernd war. (N. Federer)


Ich habe das Musikstück Farben von Arnold Schönberg mit dem Kunstwerk stacked grids von Phyllida Barlow verglichen. Bei den Gemeinsamkeiten ist mir aufgefallen, dass beide eine stabile Grundlage haben. Bei der Musik sind das die langen, ruhigen Töne, bei dem Kunstwerk ist alles das gleiche Material und die gleiche Form. Beide haben herausspringende Formen. Bei der Musik höhere und schnellere Töne, beim Kunstwerk andere Farben als pink. Beide sind düster und fröhlich zugleich und beide haben nur filigrane Veränderungen. Beides ist sehr strukturiert.

Ich habe aber auch Unterschiede festgestellt: Die Musik baut Spannung auf und das Kunstwerk nimmt die ganze Spannung für die Ausstellung weg, da es ganz am Anfang aufgestellt ist und man es anschauen muss. Das Kunstwerk (stacked grids) sagt schon ziemlich viel über die ganze Ausstellung aus. 
(R. Dutler)